1. Wer ist nach IDD zur Weiterbildung verpflichtet?

Zum 23. Februar 2018 wurde die Richtlinie (EU) 2016/97 zum Versicherungsvertrieb in deutsches Recht umgesetzt. Damit wurden die erforderlichen Änderungen in der Gewerbeordnung (GewO) und im Versicherungsvertrags- und Versicherungsaufsichtsgesetzt umgesetzt.

Damit müssen sich grundsätzlich alle Personen, die an der Beratung und Vermittlung von Versicherungsprodukten beteiligt sind, 15 Stunden im Jahr weiterbilden.Konkret bedeutet das:

  • Gebundene sowie ungebundene Versicherungsvermittler und -berater mit Erlaubnis
  • Beschäftigte, die unmittelbar mit dem Vorschlagen oder Durchführen anderer Vorbereitungsarbeiten zum Abschließen von Versicherungsverträgen beschäftigt sind oder bei deren Verwaltung und Erfüllung, insbesondere im Schadensfall, mitwirken oder diese Prozesse unterstützen. Dies bedeutet, dass auch Innendienstmitarbeiter zur Weiterbildung verpflichtet sind
  • Leitende Angestellte

2. Sind Teilzeitmitarbeiter bzw. geringfügig Beschäftigte auch im vollen Umfang zur Weiterbildung verpflichtet?

Ja, auch Teilzeit- und geringfügig Beschäftigte unterliegen der vollen Weiterbildungsverpflichtung. 

3. Welche Regelungen gibt es bei Unterbrechungen der Tätigkeit (Elternzeit, Krankheit etc.) bzw. bei unterjähriger Aufnahme der Tätigkeit?

Die Versicherungsvermittlerverordnung (VersVermV) sieht keine Ausnahme von der 15-stündigen Weiterbildungspflicht für eine unterjährige Tätigkeitsaufnahme oder -unterbrechung im Kalenderjahr vor. Nur wer beispielsweise aufgrund von Elternzeit im gesamten Kalenderjahr keine weiterbildungspflichtige Tätigkeit ausübt, ist befreit.

4. Welche Konsequenzen drohen bei Nichterfüllung der Weiterbildungspflicht? 

Die Versicherungsvermittlerverordnung (VersVermV) sieht vor, dass der Weiterbildungsverpflichtete, der den Anforderungen der Weiterbildungspflicht nicht nachkommt, eine Ordnungswidrigkeit gemäß § 144 Abs. 2 Nr. 1b der Gewerbeordnung begeht.

Die unterlassene Weiterbildung führt neben Bußgeldern und der Einleitung einer Zuverlässigkeits-Prüfung auch zur Haftung. Denn gegenüber dem Kunden ist eine nicht hinreichende Weiterbildung eine unvermeidliche Pflichtverletzung, die es dem Kunden leicht macht, Schadenersatzforderungen zu erreichen.

5. Sind leitende Angestellte von der Weiterbildungspflicht nach IDD betroffen?  

Nach IDD müssen sich Personen innerhalb der Leitungsstruktur, die für den Versicherungsvertrieb verantwortlich sind, weiterbilden.

Maßgeblich am Versicherungsvertrieb Beteiligte sind neben dem  Vertriebsvorstand diejenigen Personen in der Leitungsstruktur des Unternehmens, die erheblichen und gestaltenden Einfluss auf den Versicherungsvertrieb im Sinne § 7 Nr. 34 a VAG haben. 

Nicht maßgeblich in diesem Sinne sind Personen der Leitungsstruktur, welche die Vorgaben des Unternehmens lediglich umsetzen.

§ 48 Abs. 2 Satz 1 VAG stellt darauf ab, dass die unmittelbar oder maßgeblich am Versicherungsvertrieb beteiligten Angestellten der Versicherungsunternehmen u. a. über die zur Vermittlung der jeweiligen Versicherung angemessene Qualifikation verfügen und sich regelmäßig fortbilden.

6. Gibt es IDD-Punkte oder Weiterbildungspunkte?  

Es werden nur Zeitstunden für die Erfüllung der Weiterbildungspflicht herangezogen. Weiterbildungspunkte gibt es nicht.

7. Welche Backoffice-Mitarbeiter/-innen unterliegen  der Weiterbildungspflicht?  

Die Weiterbildungspflicht von Backoffice-Mitarbeiter/-innen ist abhängig von deren Verwaltungstätigkeit und der sich daraus ergebenden „Beratungs- und Informationspflichten“. Hier liegt die Entscheidung je nach Einzelfall beim Arbeitgeber. Interne Bürotätigkeiten werden nicht von der Weiterbildungspflicht erfasst. 

8. Ist die Weiterbildungspflicht durch eine sich regelmäßig fortbildende Führungskraft erfüllt?

Diejenigen Beschäftigten, die tatsächlich vermitteln oder beraten, müssen sich stets weiterbilden, d.h. sie können nicht von einer Delegation gem. § 34d Abs. 9 GewO – wie beim Sachkundenachweis - profitieren.

9. Wie muss ich meine 15h-Weiterbildungspflicht nachweisen?

Die Erfüllung der Weiterbildungspflicht muss erst nach Aufforderung der zugewiesenen Aufsichtsbehörde (IHK) nachgewiesen werden. Sie sind dazu verpflichtet, die Nachweise Ihrer Weiterbildungsmaßnahmen auf einem dauerhaften Datenträger und in den Geschäftsräumen für fünf Jahre ab Ende des Kalenderjahres, in welchem die Weiterbildung stattfand, aufzubewahren.&nbsp

Aus den Nachweisen müssen der Name des Weiterbildungspflichtigen, Datum, Umfang, Inhalt und Bezeichnung der Maßnahme sowie die Kontaktdaten des Weiterbildungsanbieters hervorgehen.

10. Welche Maßnahmen werden berücksichtigt und anerkannt?

Die gewählten Weiterbildungsmaßnahmen sollen sicherstellen, dass die berufliche Handlungsfähigkeit des Weiterbildungspflichtigen aufrechterhalten, angepasst oder erweitert wird. Dabei steht bei jeder Weiterbildungsmaßnahme der Kundennutzen im Vordergrund. Es sollte also immer der Bezug zur Versicherungsvermittlung und –beratung erkennbar sein (Anlage 1 VersVermV, Anlage 1 VAG). 

Dementsprechend werden Weiterbildungen, die keinen konkreten Kundennutzen haben, nicht anerkannt. Dazu zählen beispielsweise Seminare zur allgemeinen Betriebswirtschaft. Das Gleiche gilt für Weiterbildungsveranstaltungen im Bereich Finanzanlagen, Immobiliendarlehen und Bausparen.

Anerkannt werden zugelassene Maßnahmen unabhängig davon, ob sie in Form von Präsenzveranstaltungen, E-Learnings, Blended-Learnings oder Einzeltrainings absolviert werden. Weiterbildungen im Selbststudium werden nur anerkannt, wenn zusätzlich eine Lernerfolgskontrolle durchgeführt wird.

11. Muss die Weiterbildung zur eigenen Spezialisierung passen?

Nach § 7 VersVermV muss die Weiterbildungsmaßnahme auf den Anforderungen der fachlichen oder personalen Kompetenzen und ausgeübten Tätigkeiten basieren. Die IHK ist dazu ermächtigt, nicht ausreichende Schulungen abzulehnen.

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